Bekel - op platt - Becklingen - im Norden des Celler Landes

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Bekel - op platt

örtliches
Becklingen rüstet um - op platt

Anderswo schon seit Jahren aufgestellt, im Landkreis Celle noch nirgends. So macht Becklingen den Anfang im Landkreis und rüstet um: künftig stehen bei uns Ortstafeln in "platt". Doch dieser einfachen Austauschaktion ging ein fast einjähriges Antragsverfahren vorweg.

Grundlage der neuen Sprachförderung ist die „Europäische Charta der Regional -und Minderheitensprachen“, 1992 vom Europäischen Parlament beschlossen. Diese Europäische Charta ist 1998 von der Bundesregierung übernommen worden und am 01.01.1999 durch das Bundesgesetz in Kraft getreten. Danach verpflichten sich die Bundes -und Landesregierungen, die Regional- oder Minderheitensprachen (z. B.: Friesisch, Dänisch und Niederdeutsch) zu schützen, zu bewahren und nach Kräften zu fördern. Der Europarat (bzw. das Parlament) hat seinen Mitgliedsstaaten empfohlen, die Regional- und Mindersprache zu fördern, indem unter anderem Ortsschilder mit zweisprachigem Aufdruck aufgestellt werden. Mit der plattdeutschen Zusatzbeschriftung werden die Ziele der Europäischen Charta erfüllt, in der Deutschland sich verpflichtet hat, den Gebrauch von Plattdeutsch zu fördern."

Dazu folgte ein Gesetz vom 14.09.2004, daß das Aufstellen von zweisprachigen Ortsschildern offiziell zuläßt. Auch der niedersächsische Landtag begrüßt das Bundesgesetz, durch das die Umsetzung der europäischen Charta für Regional -und Minderheitensprache in Deutschland geregelt wird. Das Niedersächsische Wirtschaft – und Verkehrsministerium genehmigt Anträge der Städte und Gemeinden zum Aufstellen der zweisprachigen Ortsschilder. Um der sprachhistorischen Komponente gerecht zu werden, erwächst die Notwendigkeit, die Wahl eines niederdeutschen Namens zu begründen und nachvollziehbar zu machen. Dazu ist die Kompetenz des Institutes (INS) für niederdeutsche Sprache in Bremen einzubeziehen.

Bereits Ende Novemer 2016 wurde Kontakt mit dem INS aufgenommen. Becklingen, pardon "Bekel", wurde geschichtlich aufbereitet erklärt und die Antwort im Frühjahr 2017 kam dann zum Antrag an den Landkreis Celle - Straßenverkehrsbehörde - hinzu. Diese regelte alles weitere und erteilte die Ausnahme nach §46 Abs. 2 StVO. Von da an ging alles automatisch zur Stadt Bergen, wo gemeinsam mit der Planung begonnen wurde.
So berichtet die Cellesche Zeitung am 16.02.2018:

"Schilder mit plattdeutschen Ortsnamen: "Bekel" macht den Anfang
            
Klar, dass er bei diesem Ereignis unbedingt dabei sein will. Nein, dabei sein muss. "Ick schnack nur Platt", sagt Hermann Weide. Mit 87 Jahren ist er der älteste "Bekler", ein echter Heidjer eben. Und natürlich stolz, dass Becklingen ein Musterbeispiel dafür ist, dass die niederdeutsche Sprache in der Region lebendig gehalten wird. Denn das kleine Dorf hat allen anderen Orten im Landkreis etwas voraus: gelbe Ortsschilder "op Platt".
Becklingen
An fünf Stellen im Ort sowie zusätzlich am Bahnhof werden Autofahrer nun nicht mehr nur mit "Becklingen" begrüßt. Hier beginnt "Bekel", machen die Schilder deutlich. Unter dem hochdeutschen Ortsnamen steht in kleinerer Schrift die plattdeutsche Variante. "Für mich ist die Pflege und Förderung der plattdeutschen Sprache Teil der Heimatpflege", sagt Becklingens Ortsbürgermeister Dirk Ebel. Immer häufiger seien inzwischen zweisprachige Ortsschilder zu finden, die beide Namen führen. Schon wenige Kilometer weiter nördlich, im benachbarten Heidekreis, schmücken sich viele kleinere und größere Orte mit zweisprachigen Schildern – warum nicht auch im Landkreis Celle?
Ein paar Hürden galt es zu nehmen: Das Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen musste in das Vorhaben einbezogen werden. Bereits Ende 2016 kam von hier das Okay. Die Stadt Bergen begrüßte den Vorschlag ebenfalls, schließlich stimmte der Becklinger Ortsrat im Frühjahr vergangenen Jahres mehrheitlich zu. Nachdem im Herbst die Berger Stadtverwaltung grünes Licht für die Beschaffung der Schilder gegeben hatte, war alles in trockenen Tüchern.
"Ich finde das genial", sagte die gebürtige Becklingerin Gitta Habermann am Donnerstag vor Ort. "Noch schöner wäre es, wenn auch die Straßenschilder auf Platt wären." Das wäre vergleichsweise einfach: Becklingen gehört noch zu den Orten, die keine Straßennamen haben – der ganze Ort heißt einfach Becklingen. Oder eben "Bekel". "Innerhalb der Familie wird bei uns noch Platt gesprochen", erzählt Habermann.
Damit ist die 52-Jährige nicht allein. Allerdings ist es in "Bekel" nicht anders als in anderen Dörfern: Die Zahl der Plattschnacker wird auch hier immer weniger. "Plattdeutsch interessiert mich schon", sagt Lennart Ebel (21), Sohn des Ortsbürgermeisters. Sein Bruder Christoph (19) stimmt ihm zu, meint aber: "In unserem Freundeskreis spricht niemand mehr Platt."
Doch noch findet die Sprache im Vereinsleben des Dorfes Verwendung. Es gibt den Bekler Backhus-Verein und die Laientheatergruppe Bekler Speeldeel, wo sich auch viele junge Leute engagieren. Ortsbürgermeister Ebel freut sich, dass die plattdeutsche Sprache am Leben erhalten wird. Das sei nicht überall in der Region so. "Viele Orte haben gar keine plattdeutschen Namen", sagt er. Deshalb ist er unsicher, ob andere Dörfer nun ebenfalls ihre Ortsschilder zweisprachig umrüsten. Dennoch: "Vielleicht stoßen wir als Vorreiter etwas an, der Landkreis Celle ist diesbezüglich noch etwas jungfräulich."

Quelle: Foto und Text Cellesche Zeitung, 16.02.2018, Carsten Richter
(http://www.cellesche-zeitung.de/Celler-Land/Bergen-und-Lohheide/Bergen-Ortsteile/Schilder-mit-plattdeutschen-Ortsnamen-Bekel-macht-den-Anfang)
 
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