Unsere Isegrim - Becklingen - im Norden des Celler Landes

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Unsere Isegrim

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Der letzte Wolf in Niedersachsen wurde 1872 unweit der Ortschaft Becklingen erlegt.
            
Die Wolfsbahn auf dem Becklinger Holz mit dem Wolfsstein und der Jahreszahl 1872 erinnert an den letzten Wolf in Niedersachsen. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde 1892 dort ein Gedenkstein, der sog. Wolfsstein, aufgestellt. Der Stein trägt die Inschrift: „Am 13. Januar 1872 wurde hier der letzte Wolf in  Niedersachsen erlegt.“
Im Januar 1872 wurden in der Gegend um Becklingen in der Ausdehnung bis nach Soltau (14km) und Dorfmark (10km) hoch, einige Schafe gerissen. In der Nähe von Ostenholz (17km) riß der Wolf zwei Schafe, was von zwei Schäfern gesehen wurde. Das Revier des Wolfes war aber das Becklinger Holz im Westen von Becklingen. Sein Revierradius lag bei rund 30 km. Zum Wolfsstein hat man heute so ohne weiteres keinen Zutritt mehr, da er im Becklinger Holz liegt, was heute zum Truppenübungsplatz Bergen-Hohne gehört.
Der Förster H. Grünewald aus Wardböhmen, ehemals ein Leibjäger von König Georg V. von Hannover, dem letzten König von Hannover, fand am 13. Januar 1872 im Schnee die Fährte des Wolfes. Es gelang ihm das Tier aufzuspüren und zu töten. Der erlegte Wolf war ein alter Rüde. Er war von der Schnauze bis zur Schwanzspitze 1,64 m lang, seine Schulterhöhe betrug 85 cm und er wog 45 kg. Sein Balg wurde zur Schau gestellt, der Eintrittspreis kostete damals 10 Pfennig. Seitdem galt der Wolf in Niedersachsen als ausgestorben.
Seit einigen Jahren breitet sich der Wolf in Niedersachsen wieder aus, im Jahr 2012 wurde in Munster im Heidekreis das erste Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen. Seitdem breitet sich der Wolf weiter aus und erobert immer größere Teile von Niedersachsen. 2015 gibt es mittlerweile fünf Rudel im Land, heute, 2016, spricht man von 8 Rudel. Ein Wolfspaar soll im Raum Eschede (Landkreis Celle) in diesem Frühjahr nachweislich mindestens ein Junges bekommen haben. Zuletzt wurden Anfang des Jahres im Landkreis Uelzen und im Heidekreis bei Schneverdingen Tiere nachgewiesen.
Obwohl rund 50 Wölfe aktuell in Niedersachsen leben, hat kaum einer die scheuen Tiere zu Gesicht bekommen. Dennoch, die Wiederansiedelung des Wolfes teilt den Menschen in pro und contra, obwohl dieser für die Ausrottung vor rund 140 Jahren verantwortlich war. Auch in der Nähe von Becklingen gibt es wieder Wölfe. Sie werden die Bergener Wölfe genannt, sind Geschwister und stammen aus Sachsen-Anhalt. Das Wolfspaar lebt im Becklinger Holz und dem Truppenübungsplatz Bergen, von dessen Existenz man seit September 2012 weiß. Der Wolfsrüde und die Wolfsfähe sind Nachkommen des Rudels in Altengrabow, Sachsen-Anhalt. Das Foto oben zeigt einen bei uns lebenden jungen Wolf. Es ging durch die Presse, weil es im Januar 2016 von einer Wardböhmerin aufgenommen wurde, die mit ihrem Hund an der Straße Vor dem Holze spazieren ging und vom neugierigen Wolf beäugt wurde.

Nachfolgend noch eine Sage aus Becklingen, die trefflich zeigen dürfte, daß Wölfe früher immer zum Leben gehörten.
(Quelle: Paul Alpers und Georg Breling (Hrsg.): Celler Sagen aus Stadt und Land, Celle 1949)

Die Wolfskulen bei Becklingen

Nordwestlich von Becklingen liegt zwischen dem Becklinger Holz und der Asch eine flache Bodenwelle, der Langenhorst. Dort befinden sich einige eingefallene Kulen, die im Volksmunde Wolfskulen heißen.
Früher kamen in unserer Gegend häufig Wölfe vor. Damals wohnten in Becklingen sieben Bauern, von denen jeder eine große Schafherde hatte. Ließ sich nun ein Wolf bei uns sehen, so kam er gewöhnlich von der Asch über den Langenhorst an das Dorf heran. Dann aber kam er den Schafen zu nahe. Die Bauern gruben daher auf dem Langenhorst einige tiefe Gruben, die sie mit dünnen Zweigen abdeckten. In eine der Kulen setzte man abends eine Gans und band sie in der Art fest, dass sie sich nicht zur Ruhe hinsetzen konnte. Sie sollte in der Nacht flattern und schreien und den Wolf anlocken. Das Liefern der Gänse ging bei den Bauern reihum, und es war ausgemacht, dass der den Wolfsbalg bekam, der die Gans gab.
Wieder war ein Wolf gespürt worden. In Einzingen und Makenthun hatte er Schafe geraubt und zerrissen. "Nu ward't Tid", sagten die Becklinger Bauern und machten schnell ihre Kulen zurecht. Der Bauer vom Hesseschen Hofe (Anm.: Graunshof, etwa zur Zeit 1800-1850 saß ein Hesse dort) lieferte die Gans, denn er war an der Reihe. Seine Frau aber war sehr geizig. Es tat ihr leid um die Gans. In der Nacht stand sie leise auf, dass der Bauer nichts merkte, und eilte mit einem großen Speckmesser in der Hand nach den Kulen. Sie wollte ihre Gans wieder haben. Sie war übereilig gelaufen; denn sie hatte Angst. Sie legte sich über den Rand der Kule, um den Strick abzuschneiden.
Plötzlich kam die Erde unter ihr ins Rutschen, und sie lag bei der Gans in der Kule. Die Grube war tief und die Bauersfrau dick und unbeholfen. Sie musste daher im Loch sitzen bleiben. Ängstlich schrie und flatterte die Gans. Da drückte die Frau ihr den Wind ab; denn sie fürchtete, dass ein Wolf herbeigelockt werden könnte. Lange, lange Stunden hat sie in der Kule gesessen; nicht einmal geweint hat sie; aber es ist ihr heiß und kalt vor Todesangst geworden.
Als es hell wurde, war die Angst nicht mehr so groß; doch nun kam die Scham. Was würden die Leute sagen, wenn sie kamen? Ja, was haben die gesagt, als sie am Morgen mit allerlei Mordwaffen bei der Kule anlangten! Erst waren sie starr; dann fingen sie an zu lachen und haben noch viele Tage und Wochen lachen müssen, wenn sie an die Geschichte dachten. Den Geiz aber soll die Frau in der Nacht verlernt haben.
 
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