Klub Waldesgrün - Becklingen - im Norden des Celler Landes

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Klub Waldesgrün

geschichtlich
In diesem zuvor beschriebenen Umfeld befanden sich die Männer, die nach schweren Entbehrungen aus dem Felde heimgekehrt waren und in der Heimat Chaos, Armut und Hunger vorfanden. Und es war erstaunlich, daß gerade jetzt nach Jahren der Entbehrungen, der verlorenen Jugend und Lebensfreude, aber auch durch militärisch nationales Denken in Verbindung mit dem verlorenen Krieg, eine Flut von Vereinsgründungen einsetzte. Man stürzte sich in Frohsinn und Geselligkeit und war froh, dem Grauen des Krieges entgangen zu sein.     
In der Umgebung von Bergen waren es neben den großen Vereinen viele kleine Privatclubs mit vielfältigen und kuriosen Zielen, die heute sicher manchmal belächelt werden und zum Schmunzeln Anlaß geben. Es waren über 50 neugegründete Clubs und Vereine, viele davon von kurzer Lebensdauer. Nachfolgend eine Liste dieser Clubs und Vereine mit örtlichen Anzeigen im Berger Boten, die jedoch keinen Anspruch auf Vollzähligkeit erhebt:  
Klub der „Wurzelbrüder“ (1921)
Klub „Harmonie“ (1919)
Klub „Unner Us“ (1919)
Klub „Froher Mut“ (1919)
Der „Maiklub“ (1920)
Klub "Waldesgrün" (1919)
Holzhacker-Verein Bergen und Umgegend
Schachklub „Rössel“
Radfahrer-Verein Bergen (1919)
Arbeiter-Radfahrer-Verein „All Heil“ (1919)
Radfahrer-Verein „Pfeil“, Offen
Radfahrer-Verein „Fahre Wohl“, Sülze (1920)
Radfahrer-Verein „Edelweiß“, Huxahl
Scharfschützenverein Bergen b. Celle (1920)
Kegelklub „Alle Neun“, Bollersen
Kegelklub „Junge bück’ dich“, Bleckmar
Klub „Heideröslein“, Hohne
Klub „Waldesgrün“, Becklingen (1919)
Pfeifenklub „Blaue Wolke“, Dohnsen
Klub „Alleweilfidel“, Wardböhmen
Klub „Gemütlichkeit“, Nindorf
Klub „Edelweiß“, Belsen (1920)
Klub „Eintracht“,  Wohlde
Waldbauverein Bergen u. Umgegend (1920)
Klub „Heidekranz“, Wardböhmen
Pfeifenklub „Frühlingsmorgen“, Bollersen
Klub „Vier Brüder“, Bergen (1919)
Klub „AOK“ (Alles ohne Kragen)
Der „Klub Waldesgrün“, der eine Lebensdauer von 2 ½ Jahren hatte, wurde am 3. August 1919 gegründet und feierte am 12. Oktober 1919 sein erstes Stiftungsfest bei Dehnbostel (Gasthaus „Zum Becklinger Holz“). Informationen und Aufzeichnungen über diesen Klub sind spärlich. Soweit bekannt, sind Protokolle aus denen Zweck, Vorstand, Vorsitzender oder Mitgliederzahl hervorgehen, nicht vorhanden. Die hier niedergeschriebenen Aufzeichnungen beruhen auf Befragungen älterer Leute u.a. Heinrich Ebel sen. Haus-Nr. 12 und sind wiedergegeben aus Anzeigen, die dem Berger Boten entnommen wurden:

"Klub „Waldesgrün“, Becklingen. Am Sonnabend, den 6. März, abends 8 Uhr: Generalversammlung im Klublokal.
Erscheinen sämtlicher Mitglieder erwünscht. Der Vorstand." (BB.Ins.Di.02.03.1920)
Der Klub soll 25 - 30 Mitglieder gehabt haben. Dazu gehörten Lehrer Giesemann, Haus-Nr. 22, der „wahrscheinlich“ Leiter des Klubs war.

Ferner gehörten  
Heinrich Eggersglüß, Haus-Nr. 32
Heinrich Denecke, Haus-Nr. 25
Heinrich Stuke, Haus-Nr. 79 (li.)
Heinrich Ebel, Haus-Nr. 12 (2.v.l.)
Wilhelm Habermann, Haus-Nr. 5 (2.v.r.)
Wilhelm Lindhorst, Haus-Nr. 46 (re.)

dazu, von denen vier auf dem Foto zu sehen sind. Das Foto stammt aus 1919. Weitere sind namentlich nicht bekannt. Von Heinrich Denecke ist bekannt, daß er in der Leitung des Klubs mit tätig war.
Der Klub „Waldesgrün“ hatte in erster Linie Fröhlichkeit, Geselligkeit und das Feiern von Bäl-len zu seinem Anliegen gemacht, Tätigkeiten, die sich später fast wörtlich in der ersten Satzung des Schützenvereins wiederfinden. Weiter wurden Vorlesungen und Sketche vorgetragen, auch aus eigenen Erlebnissen der Mitglieder heraus. So war einer Frau im Zug ein mitgenommener Zwetschgenkompott ausgekippt und ausgelaufen, was ja ärgerlich und mit Unannehmlichkeiten verbunden war, aber auch zum Feixen Anlaß gab. Dieses Erlebnis eines Klubmitgliedes wurde von diesem wiederholt zum Vergnügen aller wiedergegeben. Es wurden auch Tanzabende auf der Diele bei Dehnbostels durchgeführt und unter der Leitung des Lehrers wurden Singabende veranstaltet. Weiter wurden Spaziergänge und Wanderungen vorgenommen. Weitergehende Aktivitäten sind nicht bekannt. Im Jahre 1921 feierte man dann noch zwei Feste, wie die An-zeigen im „Berger Boten“ zeigen:
1921
"Klub „Waldesgrün“, Becklingen. Donnerstag, den 10. März, abends 8 Uhr, General-versammlung.
- Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Rechnungsablage. 3. Entrichtung der Beiträge. -
Sämtliche Mitglieder müssen erscheinen. Der Vorstand." (BB.Ins.Di.08.03.1921)

"Klub „Waldesgrün“, Becklingen. Donnerstag, den 3. Novbr., abends 8Uhr, General-Versammlung im Klublokal.
Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Der Vorstand." (BB.Ins.Di.01.11.1921)

In den letzten beiden Jahren hatte man in einigen Dörfern, so auch in Becklingen, wiederholt zu den Dörfern in der Umgebung geschaut, die nach dem Krieg wieder ihre Schützenfeste feierten. Die mit Fahne und Ausmärschen sich darstellten, ihren König beehrten und Schießen veranstalteten. So feierten seit 1920 wieder Bleckmar und Wardböhmen Schützenfest, der Schützenverein Oberndorfmark, genannt der „Siebensteinhäuser Schützenverein“ abwechselnd in Nord- und Südbostel und Ober- und Untereinzingen. Das Schützenfest in Bergen wurde seit 1921 wieder gefeiert. Der Wunsch der Dörfer, die kein Schützenfest hatten, war also groß, ein eigenes zu feiern.
Am 23. Mai 1922 entschieden sich dann auch die Mitglieder des Klubs „Waldesgrün“ in Becklingen den Klub aufzulösen und einen Schützenverein neu zu gründen. Bis auf wenige Mitglieder, die diesen Schritt nicht mitmachen wollten, trat die große Mehrzahl der Mitglieder in den Schützenverein Becklingen ein. Der Klub „Waldesgrün“ hatte in den Jahren seines Bestehens vier örtliche Feste ausgerichtet:
am 12. Okt. 1919 sein Stiftungsfest,
am 9. Mai 1920 das Frühjahrsvergnügen,
am 29. Mai 1921 den Frühlingsball und
am 16. Okt. 1921 das Herbst-Vergnügen.

Eine weitere Neugründung erfolgte 1922 mit dem Schützenverein Offen. Die Bestrebungen in Manhorn und Umgebung, einen Schützenverein zu gründen, waren nicht von Erfolg gekrönt, auch ein weiterer Versuch 1927 schlug fehl.
 
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